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Was versteht man unter Unterhaltungsliteratur?

Gepostet von Literat am Jun 14, 2011 in Unterhaltungsliteratur | 3 Kommentare

Was versteht man unter Unterhaltungsliteratur?

Wer einen geselligen Abend mit Freunden verbringt und hinterher feststellt, man habe sich gut unterhalten, sagt etwas rundherum Positives. Warum darf das bei einem Buch nicht so sein? Ist es im Bereich der Literatur etwas Negatives, sich gut zu unterhalten?

Dichtung oder Unterhaltung?

Die Gegenbegriffe zu Unterhaltungsliteratur sind Dichtung oder eben hohe Literatur, die sich als Kunst versteht. Jede Kunst, ob Malerei, Musik oder Literatur, fordert den Betrachter oder Leser heraus. Kunst ist nie auf den ersten Blick völlig verständlich. Wer sie hört, liest oder sieht, muss nachdenken und mitfühlen und manchmal auch etwas wissen, um das Werk völlig zu verstehen. Wer hat nicht schon völlig verständnislos den Kopf geschüttelt über ein Musikstück von Stockhausen oder ein Gedicht von Gottfried Benn. Die Mühe, die es bereitet, solchen Werken näher zu kommen oder sie zu verstehen, soll aus dem Betrachter einen besseren Menschen mit tiefgründigeren Gedanken und höheren Lebenszielen machen. Soweit die trockene Theorie. Aufgrund dieser hohen Ansprüche haben solche Kunstwerke oft nur wenig mit dem täglichen Leben und Fühlen der meisten Menschen zu tun.

Unterschiedliche Ansprüche an die Leser

Die Unterhaltungsliteratur hat einen solchen hohen Anspruch an ihre Leserinnen und Leser nicht, sie erwartet viel weniger von ihnen. Diese Literatur – die ja angeblich gar keine ist – ist immer fest verwurzelt in der Welt der Leser und orientiert sich an deren Wünschen. Der größte Wunsch lautet: Bitte keine Langeweile beim Lesen. Weiter fühlen sich Leser dann gut unterhalten, wenn sie ihre Wirklichkeit – oder Teile davon – im Buch wieder finden und wenn sie in der Handlung versinken können. Da die Unterhaltungsliteratur auf diese Weise sehr nah an ihren Lesern dran ist, lässt sie sich mit weniger Aufmerksamkeit lesen als hohe Literatur. Einen Band Harry Potter kann man problemlos an einem sonnigen Nachmittag im Freibad verschlingen, es bereitet auch keine Schwierigkeiten, wenn nebenher Musik läuft oder jemand herein kommt. Unter den gleichen Bedingungen den zweiten Teil von Goethes Faust zu lesen, ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Für viele oder nur für einige?

Ist Unterhaltungsliteratur dann das selbe wie Schund und Heftchenromane, also sogenannte Trivialliteratur? Solche Abgrenzungen sind immer schwierig und hängen auch von dem ab, der sie trifft. Ein Kennzeichen von Trivialliteratur ist jedoch, dass sie immer ein Happy End hat und dass die Handlungen und Rahmenbedingungen bestimmten Mustern folgen. Unterhaltungsliteratur kann auch ein glückliches Ende haben, aber sie muss es nicht. Die Handlung kann quasi überall stattfinden und kann durchaus – wie zum Beispiel bei heutigen skandinavischen Krimis – die Abgründe menschlichen Handelns zum Thema haben.

Literaturwissenschaft und Literaturkritik stehen der Unterhaltungs- und der Trivialliteratur skeptisch oder sehr ablehnend gegenüber. Wirkliche Literatur wird angeblich nur von wenigen Lesern verstanden; was ein Bestseller wird, kann daher nicht wirklich gut sein.

Unterhaltungsliteratur wäre nicht so langlebig und erfolgreich, wenn sie nicht ein großes Bedürfnis nach Ablenkung und schierer Leselust erfüllen würde. Und auch wenn Literaturkritiker über einen Unterhaltungsroman nie auch nur ein Wort verlieren würden, bedeutet das nicht, dass es Literatur zweiter Klasse ist.

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