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Die hohe Literatur in Deutschland

Gepostet von Literat am Aug 26, 2011 in Literatur in Deutschland | 5 Kommentare

Die hohe Literatur in Deutschland

In der Literatur wird generell zwischen zwei Formen unterschieden, wobei die Grenzen durchaus fließend sein können: Auf der einen Seite gibt es die sogenannte Unterhaltungs- oder Trivialliteratur, die auch Belletristik genannt wird und zu der heute die meisten Bestseller gehören: Liebesromane, Krimis, Science-Fiction und viele andere Formen der unterhaltenden Literatur. Auf der anderen Seite gibt es die hohe Literatur, zu der die meisten Klassiker gehören, die eine Sprache im Laufe der Jahrhunderte hervorgebracht hat.

Was ist eigentlich die hohe Literatur?

Zur hohen Literatur gehören neben Romanen und Erzählungen auch Dramen, Epen, Novellen und Lyrik. Welche Werke konkret dazu gezählt werden, regelt im deutschsprachigen Raum ein literarischer Kanon, der sich in erster Linie aus der Tradition ergeben hat: Während z.B. die Werke von Goethe oder Schiller bis heute regelmäßig gelesen und am Theater gespielt werden, sind viele Zeitgenossen der beiden großen deutscher Dichter längst vergessen. Daher sind die Werke von Goethe und Schiller allein durch ihre Langlebigkeit im literarischen Kanon angekommen und stehen regelmäßig auf den Lehrplänen deutscher Schulen. Da der deutschsprachige Raum komplett in diesem Kanon erfasst ist, gehören auch österreichische und Schweizer Autoren dazu.

Verfilmungen bringen die hohe Literatur einer neuen Generation nahe

In Deutschland tut man sich jedoch etwas schwer damit, die hohe Literatur so zu würdigen, wie es beispielsweise Großbritannien tut. Dort werden nicht nur die Werke von William Shakespeare regelmäßig auch von Amateur- und Schulensembles gespielt und verschaffen so vielen Menschen einen leichteren Zugang zu diesen Stoffen. Auch große Autoren des Landes wie Charles Dickens und Jane Austen werden regelmäßig mit beliebten Film- und Fernsehschauspielerin neu verfilmt und erreichen so ein großes Publikum, so dass Werke wie “Stolz und Vorurteil” und “David Copperfield” Volksgut sind. In Deutschland dagegen hat die hohe Literatur einen schwereren Stand und wird gerne auf den Schulunterricht und kleine intellektuelle Zirkel beschränkt. In den letzten Jahren bemühte man sich jedoch, Klassiker wie Goethe, Schiller oder Thomas Mann mit Neuverfilmungen der bekanntesten Werke und verfilmten Biographien der Autoren selbst einer neuen Generation näher zu bringen.

Hohe Literatur muss nicht unbedingt intellektuell-sperrig sein

Schwieriger ist die Situation auch bei den modernen Vertretern der hohen Literatur, zu denen im deutschsprachigen Raum u.a. die österreichische Dramatikerin Elfriede Jelinek ebenso gehört wie die deutschen Autoren Günther Grass und Heinrich Böll. Handlungsarme, sperrige Texte, die sich ausgesprochen kompliziert und intellektuell geben, überfordern den durchschnittlichen Leser, der in einem Buch in erster Linie Unterhaltung und Zerstreuung sucht. Zumal argumentiert werden kann, dass es sich bei Klassikern um Werke handelt, die über Generationen hinweg so populär geblieben sind, dass sie eben doch eine gewisse Leserschaft erreichen, während moderne Literaten nicht durch die Verkaufszahlen ihrer Bücher bestimmt werden, sondern durch einen kleinen Kreis intellektueller Feuilletonisten, für die ganz gezielt komplizierte Werke geschrieben werden. Ein William Shakespeare oder ein Friedrich Schiller hingegen schrieben für das gewöhnliche Volk ihrer Zeit und auch wenn die veraltete Sprache heute den Zugang erschwert, sind ihre Werke trotzdem voller Dramatik, Spannung, Romantik und Humor, die sie bis heute sehr lesenswert machen.

In den letzten Jahren entwickelte sich jedoch eine Gegenströmung zum gewollt-intellektuellen Literatentum, zu dem u.a. der Schriftsteller Daniel Kehlmann gehört. Seine Werke wie “Die Vermessung der Welt” werden zur hohen Literatur gezählt, sind aber leicht verständlich, humorvoll und spannend geschrieben.

Image: © Robert Kneschke – Fotolia

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